1000 Bücher der Vergessenheit (Band 777)
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Das Buch liegt vor Dir auf dem Tisch in der Bibliothek der Erzählungen. Du weißt nicht, wie es dort hin kommt oder wer es vergessen hat zurück zu stellen. Als Du mit Deinen Büchern über die Symboliken der vergangenen Jahrhunderte zu dem noch einzig freien Leseplatz kommst, lag es bereits dort und zieht Dich von nun an in seinen Bann.
Der leuchtend rote Umschlag fesselt Deinen Blick und Du betrachtest die kräftig pulsierenden Farben die sich von einem hellen orange bis hin zu einem trüben, fast schon schwarzen dunkelrot wandeln. Das Buch strahlt eine starke Energie aus, Du spürst die Wärme auf Deiner Haut. Jeder Zentimeter Deines Gesichts fühlt sich an, als wärst Du errötet.
In der Mitte des Umschlages befinden sich zwei Runen. Du erkennst die Symbole, auch wenn sie nicht so eindeutig sind. Die golden glänzenden Zeichen verschmelzen miteinander auf dem glühenden Einband, Gut und Böse, die Götter Ahura Mazda - Schöpfer des Segens und Glückes, der Gleichbehandlung und Vernunft - und Angra Mainyu - Überbringer des Verderbens, Grauens und allen Übels - sind gegenwärtig.
Du bewegst Deine Hand in Richtung des Buches. Die Farbverwirbelungen werden unter Deiner Nähe immer stärker und schneller, die Verschmelzung der Runen beginnt in einem gleißenden Licht, sodass Du geblendet wirst. Deine Finger spüren die Hitze doch Du kannst Dich dem Buch nicht entziehen. Du berührst das goldene Siegel am Rand und das darin befindliche Schloss öffnet sich und gibt Dir den Inhalt preis.
Die erste Seite
1000 Bücher der Vergessenheit
- Die Schöpfung selbst
bestimmt den Untergang -
Du blätterst weiter und beginnst zu Lesen.
Das Ende der Schöpfung
Schon lange wussten die Pyegham¹, der Mensch ist weder der Beginn, noch das Ende der Schöpfung. Der Mensch ist für unsere Erde eine Krankheit, die sich durch die Landschaft und den Boden frisst, erschaffen von den mächtigsten der Götter überhaupt. Das Böse brachte den Menschen auf die Erde, denn er würde nur eines tun; alles zerstören. Jeder Grashalm wird ihm zum Opfer fallen, jeder Tropfen Blut rinnt durch seine trockene Kehle und am Ende bleibt eine leere, vergammelte und verdurstete Erde ohne Inhalt, ohne Leben. Und die Schöpfung erreicht ihren Höhepunkt. Begonnen vor Millionen von Jahren; In der Blüte am siebenhundertsiebenundsiebzigsten Tag nach Beginn der einhundertersten Reinigung. Und das Ende der Schöpfung beginnt, eingeläutet durch den Menschen, geführt durch die sieben Erzdämonen, beendet durch den Gott der Verwüstung und Dunkelheit.
Du glaubst nicht, was Du da liest und betrachtest die Seite. Das kann nicht sein. Du blätterst weiter.
Die Sham'Aan beginnen heute den Lauf der Geschichte zu ändern. Wir schreiben den 777. Tag nach IschmaAl, dem Ersten Verwalter des alegonischen Weltreiches. Sieben Sham'Aan haben sich in Silfabad eingefunden, einem Tal welches dem Lauf des Galiz folgt, als hätten sie eine feste Verbindung. Ausläufer der Senke ziehen sich bis nach Persuna durch das geheiligte Land. An vielen Stellen haben Bauern Felder angelegt. Die Felsen an den Seiten beherbergen viele kleine Quellen, die den Boden mit klaren, sauberen Wasser nähren. Ein idealer Platz für ertragreiche Ernten. Doch an den Platz, an dem sich die sieben Weisen befinden, hat sich noch kein anderer Mensch gewagt. Übersäht von Knochen auf ausgetrockneter gelber Erde würde hier keine Pflanze gedeihen. Jedes Auftreten mit den Füßen bewirkt hier Erdstöße, so dass sogar einzelne Felsbrocken in das Tal fallen. Die Sham'Aan scheinen über den Boden zu schweben, kein noch so kleines Beben können sie dem Erdboden abgewinnen, während über ihnen der Himmel beginnt, sich zu verdunkeln.
Der erste Sham'Aan ist Volmard, Hüter des silbernen Schreins im Glaspalast von Persuna. Nach dem heutigen Tag wird kein weiterer Hüter dafür benötigt, der Schrein wird seine Bedeutung erfüllen und danach nicht mehr benötigt. Lange beteten die Menschen ihn an, ein in eine Felswand gemeißeltes Podest, auf dem ein silberner Stein liegt. Weder richtiges Silber noch bloßes Gestein. Um das Podest bildeten sich eisig kalte Wolken deren Kristalle sich auf allem absetzen, was sich um sie herum befand. Vor 3.047 Tagen wurde der Schrein von den Hütern entdeckt und untersucht. Nur kurze Zeit später brachten sie ihn in den Glaspalast und die Menschen begannen, es anzubeten, das Zeichen von Ahurani, der Göttin des Wassers.
Syrvian ist der zweite Sham'Aan. Sein magischer Stock enthält die unterschiedlichsten Baumsymbole. Er ist von sehr weit angereist und war Hüter des hölzernen Schreins von Kerman. Er wird auch Schrein des Lebens genannt; ein Sockel der aussieht, als wäre er ein Baumstumpf mit einem Durchmesser von drei Armlängen. Auf ihm sprießen Blätter in den schönsten Formen und Farbnuancen, aber kein einziger noch so kleiner Zweig ist auf ihm zu finden. Die Blätter wachsen und fallen schon nach wenigen Stunden herab. Und dort wo sie den Boden berühren bilden sich überall kleine grüne Pflanzen die schneller als normal gedeihen und zu großen Blumen und Bäumen heranwachsen. Helfer am Schrein des Leben entnehmen die Pflänzchen dem Boden und geben sie der Erde dort zurück, wo der Mensch die Natur durch Rodung oder Ackerbau stört. Und jeden Tag kommen hunderte von Frauen und Männern, um Ameretat anzubeten, für ein langes Leben und das Geschenk eines eigenen Kindes.
Mahrwedan, der Hüter des roten Schreines, war schon immer von den Kräften Angra Mainyu's fasziniert. Als Hüter bekam auch er selbst Macht, durfte sie aber nie so verwenden, wie er es wollte. Doch auch jetzt bekommt er Gelegenheit, mit der Berufung zum Sham'Aan. Dem Stab mit dem er sich stützt entfliehen Flammen und der Boden unter ihm wird schwarz wie verbranntes Holz. Er hat viel von dem Schrein erhalten, über den er nun fast zwanzigtausend Tage gewacht hat. Jedes mal wenn er ihn betrachtete, glühten seine Augen, er sog die Macht des Feuers in sich. Der Schrein wurde von den Hütern in einem Vulkan im Süden entdeckt, eine riesige Kugel die auf einer Wolke purer Hitze schwebt. Jeder der näher als zwanzig Fuß kommt, verbrennt im Angesicht des Feuers, dass immer wieder aus der Wolke schlägt. Der Schrein wurde von den Hütern an einen geheimen Ort gebracht und geheim gehalten. Die Versuchung, die magischen Kräfte zu missbrauchen, wäre zu groß gewesen.
Kervlan ist der vierte Sham'Aan. Er wird noch immer von vielen Hütern gefürchtet. Als Bewacher des schwarzen Schreines hatte er genug Macht, um gegen zwanzig von ihnen gleichzeitig anzutreten. Das Symbol des Todes wurde von vierzehn Magiern vor tausenden von Tagen geschmiedet, die dafür all ihre Macht aufgaben. Den Sagen zufolge waren Sie Kervlan unterlegen und wurden zu diesem Schritt gezwungen. Seitdem befindet sich der Schrein in seiner Obhut und keinem ist es je gelungen, etwas darüber in Erfahrung zu bringen.
Naran ist der fünfte der Weisen, der abseits der anderen läuft. Seine Aura würde die anderen womöglich an der Ausführung ihrer Aufgaben hindern. Er war der Wächter des grauen Steines der Kälte. Trotz dessen Macht blieb er für die Menschen zugänglich, doch keiner konnte erklären, weshalb. Der graue Schrein steht für den Entzug des Lebensnotwendigen, er bringt gleichzeitig eine eisige Kälte die alles Wasser gefrieren lässt und eine brennend heiße Dürre, die jedes bisschen Sauerstoff in der Luft verbrennt. Den Schrein fand man in den nordischen Eisregionen, ein Stein so hoch wie zwei Häuser, aus purem Eis, umgeben von dieser Aura trockener Hitze, die jedem Menschen die Luft zum atmen raubt. Aufgebahrt wurde der Schrein auf einer kleinen Insel im Meer vor Persuna. Nur wenige näherten sich dieser, viele davon aus Unwissenheit. Kaum einer kehrte von dieser Reise zurück, wie auch die Sham'Aans es nicht werden. Überall wo der Stock Naran's den Boden berührt bildet sich eine vereiste Kruste auf dem Boden, kälter als das Eis der Nordlande.
Um den Stab von Alamn winden sich pulsierende Stränge brauner dunkler Macht. Der Stock Alamn's schützte das Alegonische Weltreich vor 1400 Tagen vor einer Invasion des banabischen Shah's. Barabaren griffen zusammen mit Berserkern, Reitern und mächtigen Magiern die südlichen Regionen Alegons an. Alamn schaltete sich als Vermittler ein und verhandelte mit dem Shah von Banaba und dessen Beratern. Er schenkte dem König der Könige seinen Stab der Flüche. Der Shah kippte um, als er den holzigen Schaft berührte, ebenso seine Berater und Kämpfer. Der Fluch der Schwäche durchzog ihre Körper und ließ alle Muskeln in den Körpern zu Wasser werden. Alamn nahm seinen Stock wieder an sich und kehrte in seine Heimat zurück, zurück zum Schrein der Flüche um seinen Auftrag zu befolgen, bis heute.
Der letzte der sieben Sham'Aan's war Esarl, Hüter des goldenen Schreines. Von dem Schrein stehen in jedem Dorf und in jeder Stadt kleine Teile, jeweils ihrer Aufgabe als Symbol von Ordnung und dem Segen des Guten nachkommend. Auch er hat nun seine Aufgabe erfüllt, denn bald wird keine Ordnung mehr benötigt werden.
Du willst Weiterlesen, doch bei dem Versuch, die nächste Seite aufzuschlagen, verbrennst Du Dir die Finger.
¹ Prophet, sprich: Pjeram
² Schamanen, sprich: Scham-aa-an

