1000 Bücher der Vergessenheit (Band 1)

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Das Buch ist eingebunden in einen harten, festen Umschlag aus Eschenholz und mit dem Siegel des Lebens - einem Bild einer Eiche - verziert. Das erste Buch des Bandes befasst sich mit der Entstehung den Geistern von Neakam - Mystische Wesen die durch die mächtigsten Magier kontrolliert werden.



Die Geister von Neakam

Wir schreiben den eintausendsiebenundvierzigsten Tag in der Zeitrechnung nach al-anvar. Gerade siegt das Licht über die Dunkelheit und am Horizont steigt Rauch über den Wachtürmen von Kermaan. Die Türme stehen am Rand der Berge von Kirsafal und berichten über Gefahren. Das letzte mal als an Ihnen Rauch aufstieg war vor dreizehn Tagen. Damals griff eine Horde barbarischer Wölfe die Lager von Kermaan an. Dank der Vorwarnung gelang es den Bauern, sich auf die Gefahr vorzubereiten und siegreich aus der Schlacht hervor zu gehen. Doch um welchen Preis. Es starben acht der erfahrensten und klügsten Männer, sie fielen in der Schlacht um ihre Heimat.

Und erneut wurden die Feuer entzündet. Drei Türme meldeten die Gefahr und es stand nicht gut um das Dorf. Kermaan hat eine Miliz von vierzig tapferen Kämpfern, die mit magisch erschaffenen Kreaturen kämpften und so immer besser wurden. Doch die Hälfte hat die Stadt verlassen und ist auf den Weg nach Tobey. Eine Karawane mit Vorräten aus allen Teilen des Kontinents muss nach Kermaan eskortiert werden.

Alwian - ein mächtiger Magier lebt in dem Dorf. Er versteht es, Kreaturen zu erschaffen und ihnen das Leben zu nehmen. Er wurde lange vor Beginn der neuen Zeitrechnung geboren und war einer der angesehensten Zauberer auf dem ganzen Kontinent. Einst reiste er mit einer Milizengruppe in die Berge um einen Feueradler zu zähmen. Die Tiere sind unheimlich groß - ein Mensch kann auf ihm fliegen. Die Tiere stürzen sich aus dem Himmel auf ihr Opfer, greifen es mit ihren Krallen die so groß sind wie die Unterarme eines Kindes lang sind, und tragen es in die weiten der Berge um ihre eigenen Nachkommen zu ernähren.

Die Wachtürme sind einen Tag von Kermaan entfernt, doch ihre Feuer erkennt man sofort. Bei Sonnenaufgang wurden sie gezündet. Als der Mond sich ankündigte verblassten die Feuer und der Rauch. Über dem Dorf frischte der Wind auf und heulte ein leises Lied in den Ohren der Menschen. Die Tiere fürchteten sich, die Menschen zogen sich zurück in ihre Hütten.

Die letzten Strahlen der Sonne tauchten den Horizont in eine blutrote Farbe. Der Kildan-Wald, welcher das Gebirge und das Dorf miteinander verbindet, hüllte sich in Schweigen. Immer wieder flüchteten Vögel unter lautem Kreischen. Nebel zog auf und lies schon wenige Augenblicke später keinen Strahl der Sonne mehr passieren.

Alwian saß noch immer seelenruhig auf einem Eichenstuhl, dessen Sitzfläche mit 2 Schaffellen gepolstert ist, und lehnte mit dem Rücken an der Holzwand. Vor ihm auf dem Boden war - wie in fast jeder Hütte - ein Steinkreis. In ihm loderten Flammen und stiegen in Richtung des Strohdaches empor. Wie viele male musste schon eine Hütte neu gebaut werden, weil die Feuer zum Dach hinauf tanzten und sich daran nährten. Alwian saß dort mit geschlossenen Augen. Vor ihm auf dem Boden lag eine Schriftrolle aus gegerbter Rinderhaut beschrieben mit Farbe die aus dem Blut von Schweinen und der Essenz der Wurzeln der Eichenbäume gewonnen wird. Die Schriftrolle trug alte, kaum lesbare Schriftzeichen - wohl eines der ersten Dokumente der Geschichte.

Der Dunst des Waldes zog durch die Ritzen der Hütte des Magiers, dem Hüter von Kermaan. Er wußte, welche Ereignisse bevorstanden, wie er zu reagieren hatte und was das Ergebnis sein würde. Alwian konzentrierte sich; wäre ein Fremder in der Hütte gewesen, würde er denken, der Alte schläft - oder gar dass dieser tot ist. Doch stattdessen sammelte dieser seine Kräfte für den bevorstehenden Kampf. Er nahm die Energien der Umwelt auf und stärkte seinen Verstand.

Ein Schrei aus der Ferne durchdrang die Stille, die der Nebel herauf beschwor. Es war kein menschlicher Schrei, eher ein Kreischen eines Tieres welches einen schmerzhaften Tod erleidet. Der Wind wurde stärker. Die Menschen löschten die Feuer in Ihren Hütten. Die Flammen in Alwians Hütte stiegen trotz des deutlichen spürbaren Luftzuges senkrecht nach oben. Und noch ein Schrei. Diesmal war es ein bekannter, das magische Zeichen - der Feind hat das vom Zauberer erschaffene Podest passiert. Rund um Kermaan hatte er mehrere solcher Podeste manifestiert. Es konnten Bäume, Brunnen oder auch nur ein paar größere Steine sein, welche ein magisches Siegel erhielten und den Zauberer vor jeder Gefahr warnten. Der Wind wurde immer stärker und jetzt heulte die Luft vor dem Dorf. Die Zeit ist reif. Alwian stand auf, öffnete die Augen und seine Hände, die im Schoß gefalten waren. Er hob sie vor die Brust und bildete mit ihnen eine Kugel. Gleichzeitig hauchte er die Worte "Ich werde euch auf ewig aus unserer Welt verbannen, Mean Searal."

Er öffnete erneut seine Hände, während aus der Ferne ein dämonisches, tiefes Lachen an sein Ohr drang. Der Magier lies sich in seiner Konzentration nicht beirren und setzte das Ritual fort. Während er weiter die Handbewegungen vollzog, murmelte er Worte in die Luft, die keiner der alten, weisen Sprachen entstammten. Ein Gigantischer Blitz bohrte sich durch die Wolken und den Nebel bis auf die Erde, bis zu der Stelle, an welcher das Podest einst erschaffen wurde. Der Blitz funkelte in alle Richtungen, doch das Licht verschwand im Boden und in der Ferne ohne zurückgeworfen zu werden. Nach mehreren Augenblicken breitete sich der Blitz in alle Richtungen aus und schon bald verschlang er mehrere Bäume. Im Inneren war die pure Dunkelheit gefangen; kein Lichtstrahl hat die Welt dahinter je erreicht - die Heimat der Geister von Neakam. Die Seelen gefallener Krieger, versklavt durch Menschenhand, gefangen durch die mächtigsten Magier von Terek'Nor.

Alwian stand noch immer in seiner Hütte, welche unter den magischen Kräften zu beben begann. Und der Magier sah die Truppen auf das Dorf ziehen.

Der Riss der Zeit bot ein Portal für die Geister um nun in ihre alte Heimat zurück zu kehren - ihren alte Auftrag zu erfüllen und endlich frei zu sein. Nur wenige Menschen hatten die geistige Stärke, Geister zu sehen. Mean Searal ein starker Magier der seinen eigenen barbarischen Stamm anführte, hatte diese. Er ließ seine Truppen anhalten, konzentrierte sich und stieß dann ein lautes Gebet aus. Einige seiner Kämpfer kippten um - ihr Verstand wurde durch die Magie überfordert, sie brannten innerlich aus. Die anderen besaßen nun die Fähigkeit, Geister zu sehen - verschwommene Schemen die auf sie zu kamen - solange Mean Searal seine Konzentration aufrecht erhielt. Die schweren Steinäxte spalteten die Geister von Kopf bis Fuß und ließ diese in der Erde versinken, wo sie ihre letzte Ruhestätte aufsuchten und endlich frei waren. Doch die Schemen griffen auch die Kämpfer an. Sie manipulierten ihr Gehirn - zeigten ihnen Bilder, die die Kämpfer zur Flucht trieben. Andere der Schemen ließen die Organe der Männer versagen, viele fielen diesem qualvollen Tod zum Opfer.

Immer mehr Schemen strömten aus dem Riss und immer schwerer wurde es für Alwian, die Geister zu kontrollieren. Nachdem mehrere dutzend Geister die Erde betraten, schloss er den Riss und konzentrierte sich, ihnen weiter den Weg zu weisen.

Mean Searal begann wieder zu lachen: "Du wirst schwach Alwian.", rief er noch immer konzentriert. Er war ein Meister der Magie, hatte aber keine Ahnung von Kriegsführung. Er überschätzte schnell seine Truppen und musste schon viele Niederlagen hinnehmen. Ein lautes Kreischen durchzog die Luft und viele der Kämpfer zuckten zusammen. Sie kannten das Geräusch aus den Bergen, von denen sie kamen. Keinen Augenblick später bohrten sich lange Klauen durch den Rücken von Searal, er wurde unter dem Gewicht des Feueradlers zu Boden gedrückt, bevor dieser sofort wieder davon flog, den Blutverschmierten Magier noch immer in den Fängen.

Die Kämpfer sahen die Visionen immer mehr verschwimmen, bis letztendlich von ihnen keiner mehr auf dem Schlachtfeld stand. Alwian entließ die verbliebenen Geister und setzte sich wieder in seinen Stuhl. Er brauchte dringend neue Kraft...

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